Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
23.11.2017

Einfach nur zuhören

Das Gespräch suchen, den Menschen zuhören, sie ihre Geschichte erzählen lassen, auch wenn das manchmal weh tut.

Mag. Uwe Mauch | über das Gebot der Stunde

Der Mieter in einem Wiener Gemeindebau war wirklich entrüstet. Schon am Telefon erklärte er, dass das Leben in seinem Bau unerträglich ist, dass er sich vor allem von kinderreichen türkischen Familien umzingelt sieht.

Josef Cser, der Leiter der Wohnpartner, einer Servicestelle der Stadt Wien, und seine Kollegen orteten Handlungsbedarf. Ein Lokalaugenschein und ein Treffen mit dem Mieter wurden ins Auge gefasst. Sie hätten ihre Vorort-Recherchen nach dem Lokalaugenschein beenden können. (Weil sich zeigte, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft des Beschwerdeführers real nur eine türkische Familien wohnt.)

Haben sie aber nicht. Im direkten Gespräch mit dem Mieter erfuhren die Wohnpartner, dass ihm eigene Kinder verwehrt blieben. Weil ihm endlich einmal wer zuhörte, konnte er auch erzählen, was ihn sonst noch magerlt. Und dass die türkischen Kinder, also unter uns, eh nicht schlimmer sind als andere.

Unlängst hörte ich einen Paradeliberalen erklären, dass er Menschen, die FPÖ gewählt haben, nicht die Hand reicht, weil die alle Nazis wären. Was für ein arroganter Blödsinn!

Das Gespräch suchen, den Menschen zuhören, sie ihre Geschichte erzählen lassen, auch wenn das manchmal weh tut, ist ein Gebot der Höflichkeit. Und auch der Demokratie.