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30.11.2016

Die Brücke der Toten

Dahinter steht übrigens nicht die Bettler-Mafia, das organisiert wer anderer: die Armut.

Mag. Uwe Mauch | über die Brücke der Toten

Die Friedensbrücke. Sie verbindet die Brigittenau mit dem Alsergrund. In der rumänischen Community wird sie inzwischen „podul mortii“ genannt. Die Brücke der Toten. Und das aus wenig erfreulichem Anlass.

In meinem Buch „Die Armen von Wien“ und im KURIER habe ich über den Tod von Jan berichtet. Jan war Lehrer, Religionslehrer in Bukarest. Bis er in den 1990er-Jahren erst seine Arbeit verlor – und dann bei einem Unfall auf einer schlecht gesicherten Baustelle ein Bein. In Wien, jener Stadt, von der er viel gehört und gelesen hatte, hoffte er auf Hilfe. Doch da wollte ihm die reiche Stadt nicht zur Seite stehen. Am Ende starb Jan, der Mann im Rollstuhl, als Bettler, an chronischer Armut.

Das Drama ist an dieser Stelle aber noch nicht zu Ende: Jans Platz auf der Brücke übernahm bald nach seinem Tod ein betagter Rumäne mit langem weißen Bart. Er musste oft im Freien nächtigen. Der Versuch von Hilfsorganisationen, für ihn einen Schlafplatz zu organisieren, musste erfolglos bleiben. Es gab keinen. Auch für ihn hatte Wien keinen Platz.

Hatte. Denn der Bärtige ist auch nicht mehr auf der Brücke der Toten. Seit September bittet ein neuer Mann um Hilfe. Der Gheorghe. Kommen und gehen. Dahinter steht übrigens nicht die Bettler-Mafia, das organisiert wer anderer: die Armut.