Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
01.12.2016

Apropos Lebensqualität

Da zieh’ ich nicht mehr aus, da bleib’ ich bis zu meinem Tod.

Mag. Uwe Mauch | über den Wiener Gemeindebau

Eine Stammkundin im Friseursalon Renate erzählt über ihre langsame Annäherung an unseren Bau, einen Gemeindebau am Stadtrand von Wien: „Als ich das erste Mal meinen Schwager in Floridsdorf besucht habe, habe ich gesagt, dass ich da nicht einmal begraben sein möchte. Als wir dann selbst bei ihm ums Eck eingezogen sind, habe ich gesagt, dass ich da sicherlich nicht alt werde. Und heute, nach mehr als dreißig Jahren, sage ich: Da zieh’ ich nicht mehr aus, da bleib’ ich bis zu meinem Tod.“

Was sie besonders schätzt, fragt jemand im Salon und erhält prompt zur Antwort: „Diese einzigartige Lebensqualität.“

Apropos: Gerne erinnere ich mich an den Satz eines Architekten, der beim Blick aus meinem Wohnzimmerfenster anmerkte: „So kann man heute nicht mehr bauen.“

Auf meine naive Frage, ob er damit den Sand und das Stroh in den Wänden meint, die nach dem Krieg eilig hochgezogen wurden, meinte er nur: „Nein, gar nicht, aber ihr habt hier zu viele Grünflächen.“ Das Grün verdanken wir einer Selbstbeschränkung im Roten Wien: Aus Rücksicht auf die Lebensqualität der Gemeindebau-Bewohner durften ursprünglich nur maximal 40 Prozent der Grundstücksfläche verbaut werden. Heute ist mehr als doppelt so viel erlaubt!