leseZEICHEN: Tierische Wetterpropheten

leseZEICHEN: Tierische Wetterpropheten © Bild: KURIER

Michael Horowitz über die Weisheit seiner Großmutter.

Dora, meine resolute, geliebte Großmutter. Von ihr durfte ich manches lernen. Die Freude an kleinen Dingen. Die ersten Heurigen, mit Butter und Salz. Die ersten Kirschen von der Bosnierin mit dem immer lachenden Golatschen-Gesicht am Karmelitermarkt. Oder im Frühling das erste Mal wieder der Wurstelprater. Autodrom. Liliputbahn. Ponyreiten. Kracherl im "Walfisch". Und oft hat sie Loli, meinem Cousin, und mir erzählt, dass man von der Natur viel lernen kann. Vom feinen Gespür der Pflanzen und Tiere, die die besten Wetterpropheten seien. Oft mussten wir uns das anhören: Hunde und Katzen ahnen, wenn ein Gewitter naht, Vögel füttern intensiver, wenn sie Regen oder Schnee erwarten, Eichkatzerln werden hyperaktiv und sammeln wie besessen Futter für den Winter, wenn Kälte naht. Vor Kurzem belegten Wissenschaftler all diesen Volksglauben. Pflanzen und Tiere reagieren auf magnetische Felder, das Eiweiß Cryptochrom dient als Sensor. Danke, Oma Dora. michael.horowitz@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011