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05.12.2011

leseZEICHEN: Joachim Lottmann

Michael Horowitz über einen schreibenden Entertainer mittleren Alters.

Lies das! befahl mir meine Tochter Nina vor Kurzem. "Der Geldkomplex" von Joachim Lottmann. Ja, der Mann kann schreiben. Seine Texte zu lesen, macht Freude, nie wird einem fad. Ein Hamburger Literat, ein ehemaliger SPIEGEL- und ZEIT- Journalist, der seit ein paar Monaten in Wien lebt. Und sehr rasch Berlin am Ende, Wien im Aufwind analysierte. Herr Lottmann, ein schreibender Entertainer mittleren Alters, mit dem seine furiose Fantasie manchmal durchgeht. Ein satirischer Chronist der Spaß- und Scheingesellschaft. Ein freiwilliger Außenseiter im ernsthaften deutschen Kulturbetrieb. Gelobt, gepriesen, gescholten. Sie nennen ihn literarischer Hasardeur, intellektueller Stuntman, das deutsche Pendant zu Michel Houellebecq. Für die strenge FAZ ist sein Buch "Mai, Juni, Juli" eines der wichtigsten der letzten 20 Jahre. Ich freue mich, dass Joachim Lottmann ab dieser Woche regelmäßig in der freizeit schreibt. Menschen, die Hunde lieben, werden wissen, wie Christian Seiler sich jetzt fühlt. Seine Kolumne "Hund und Herrl" erscheint heute zum letzten Mal. Das Herrl hat seinen Hund nicht mehr. Hab's schön im Hundehimmel, Barolo.