leseZEICHEN: Istanbul

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Michael Horowitz über die Stadt am Bosporus.

Eine 15-Millionen-Metropole im Aufbruch. Ein ständiger Seiltanz zwischen 1001-Nacht-Romantik und westlicher Spaßkultur, Minarett und Minirock, Schleier und Smartphone in einer Stadt, in der bereits zwei Drittel unter 35 Jahre jung sind. Der Moloch Istanbul erfindet sich neu. Traditionelle, tiefe Melancholie - Hüzün (Trübsinn) - wird von der positiven Stimmung einer lebensdurstigen Gesellschaft verdrängt. Maroder Charme von Prachtbauten aus der osmanischen Blütezeit, verwunschene Villen und verwilderte Gärten, weichen Wolkenkratzern und Konsumtempeln. Heikles wie das Kurdenthema, Ehrenmord und Zwangsheirat wird gerne verschwiegen. In der neuen global City versucht sich ein neuer Islam zu entwickeln. In Istanbul, das wie ein Magnet Touristen, Spekulanten und Flüchtlinge aus aller Welt anzieht. Schrille Kontraste am Bosporus: Arm und Reich, Gestern und Morgen trennt oft nur eine Brücke, ein Hügel oder eine Gasse.

(kurier) Erstellt am
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