leseZEICHEN: Ewige Jagd nach Liebe

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Michael Horowitz über den russischen Dichter Leo Tolstoi.

Nach einer dramatischen, nächtlichen Flucht vor den Eifersuchtsexzessen seiner fast 20 Jahre jüngeren Frau Sofia, die ihm 13 Kinder gebar, stirbt Leo Tolstoi am Bahnhof von Astapowo. Heute, vor genau 100 Jahren.

Der Dichter gilt als der berühmteste Russe seiner Zeit, ist unter ständiger Polizeiaufsicht und exkommuniziert. Rund 30 Jahre zuvor wird der früh verwaiste, adelige Gutsbesitzer Tolstoi von einer tiefen Lebenskrise erfasst. Alles Bisherige erscheint ihm falsch und verlogen. Auch der Ruhm seiner Romane Krieg und Frieden und Anna Karenina. Er prangert das Elend von Arbeitern und Bauern, Grausamkeiten des Zarenreichs und Pragmatismus der orthodoxen Kirche an.

Tolstoi pendelt ein Leben lang zwischen rigidem Moralismus und lodernder Lebendigkeit, zwischen tiefer Trauer der russischen Seele, der Suche nach unverfälschtem Urchristentum und der ewigen Jagd nach Liebe: Wie man leben soll? Alles, was die Liebe stört, unterdrücken ...

(kurier) Erstellt am
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