Meinung | Kolumnen | Lesezeichen
05.12.2011

leseZEICHEN: Das Wiener Kaffeehaus

Michael Horowitz über das Kaffeehaus als erweitertes Wohnzimmer.

Der Dichter Peter Altenberg, der sich selbst gerne als Afrikaforscher der Alltäglichkeit bezeichnete, gab in Kürschners Literaturkalender seine Adresse mit "Café Central, Wien" an. Er fühle sich hier wohl, denn man ist nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft. Das Wiener Kaffeehaus. Seit mehr als 300 Jahren für Künstler und Lebenskünstler Rückzugsort von den Banalitäten des Lebens. Ein Biotop der Muße, ein Ort, an dem man sich Zeit für eigene Gedanken gönnt, ein erweitertes Wohnzimmer, wo man es genießt, manchmal auch nicht erreichbar zu sein. Inzwischen sehnen sich immer mehr Menschen nach diesen Inseln des Innehaltens und sammeln im Internet Adressen von Coffee Places where you can think . So ist ein weltweiter Reiseführer der Muße entstanden. Mit Wiener Wurzeln - wo man schon seit mehr als 300 Jahren genießt, allein zu sein, aber dazu Gesellschaft braucht (Alfred Polgar).