blickt zurück auf die Woche
03/02/2013

Vollrausch, Elefanten, Schlagzeilen

Die Woche im Rückblick.

von Michael Hufnagl

Was für ein nationaler Vollrausch!

Michael Hufnagl | blickt zurück auf die Woche

Was für ein nationaler Vollrausch! „Hollywood strahlt rot-weiß-rot“ (Heute), „Wir sind Oscar“ ( Österreich mit einer ganz neuen Titelidee) und „Filmwelt liebt unsere Stars“ (Krone) – die Eroberung zweier Goldstatuetten tat uns richtig gut.

Es könnte natürlich sein, dass 99 % jener Menschen, die nun den Hanekemichl als einen der ihren bejubeln, noch keinen Film des Regisseurs gesehen haben – aber wen kümmert das in der Stunde der Patrioten? Österreich legte sogar mit einem „Österreich-Fieber in den USA“ nach. Und meinte damit weder die spezielle Krankheit Hybris Austriakis noch das eigene Blatt, dem sicher von Kentucky bis Wyoming gehuldigt wird.

Kleines Land ganz groß – das war die mediale Botschaft zur Erinnerung für jene, die unter Waltzheimer leiden. Ein gelungener Ausflug in die Welt des Glamours. Aber vor allem eine strahlende Abwechslung zum trübsten Winter seit 110 Jahren. Wenngleich nur Spötter den Zusammenhang sehen zwischen um 37 Prozent weniger wahrnehmbarem Sonnenlicht und politischem Klima.

Wahlen

Einen Besucherrekord bei „Masters of Dirt“ vermeldeten die Zeitungen. Dabei handelte es sich jedoch um die Bilanz einer Motorsport-Veranstaltung, und nicht um die Prognose zur morgigen Wahlbeteiligung in Niederösterreich und Kärnten.

Die Devise zu den Landtagswahlen lautet jedenfalls seit Wochen „Alle gegen Pröll“ sowie „Alle gegen Dörfler“. Und einerlei, wie blöd oder berechtigt die Kritik auch sein mag, der Häuptlingsreflex bleibt zuverlässig immer der gleiche. Nämlich, sich ein Land nicht schlechtreden zu lassen.

Aber genau das hat Frank Stronach zur Spezialdisziplin erklärt. Im Selbstgespräch freilich, denn Diskussionen mag er nicht so. Exkurs zu den sogenannten Elefantenrunden: Wie kommen just Elefanten dazu, den Streitereien besonders dünnhäutiger Politiker ihren Namen geben zu müssen?

Apropos: Als wäre der Wiener Volksbefragungsschmäh nicht peinlich genug, hatte auch die FPÖ eine Idee dazu: H. C. Strache, der Azubi des Aktionismus, fände es angebracht, den Stimmzettel zu zerreißen.

Ursupa! Und sonst?

Allerlei

Drei Telekom-Manager wurden (nicht rechtskräftig) zu mehrjähriger Haft verurteilt. U. a. wegen Kursmanipulation. Einer der drei, Stefano Colombo, sagte: „Uns wurde vorgeworfen, wir seien gierig, und das stimmt nicht.“ Auch witzig.

Natascha Kampusch wurde als Gast des Films „3096 Tage“ angekündigt, kam, stellte sich am roten Teppich den Fotografen und sah sich das Werk zum eigenen Schicksal an. Die Österreich-Schlagzeile: „Natascha: Geheim bei Premiere“.

Ein Mann wurde ohne Penis gefunden. Und von da an als „Penis-Opfer“ bezeichnet. Ungeklärt ist, wie er das Opfer eines Penis werden konnte. Die beste Schlagzeile dazu war in Heute zu lesen: „Penis abgeschnitten: Heute erste Befragung“. Was genau der Penis sagte, blieb unerwähnt.

Die Arbeitslosigkeit stieg um 6,2 Prozent, in den IKEA-Fleischbällchen wurde Pferdefleisch entdeckt, und einem Mann, der den Bau von Bomben als Hobby bezeichnet, hat es die Hand zerfetzt – alles egal, weil seit gestern läuft endlich wieder „Dancing Stars“. Der Glamour hat uns wieder.

Twitter: @MHufnagl

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