über die Woche im Rückblick

„Nein, nein, nein, nein“

Die Woche im Rückblick.

von Michael Hufnagl

09/21/2013, 05:00 AM

Manchmal fühlt man sich einfach nur ein bisserl nackerbatzig.

Michael Hufnagl | über die Woche im Rückblick

Als stünde das tragische Ereignis nicht für sich selbst. An den medialen Wettbewerb, wer die grauenhaftesten Schlagzeilen zur grauenhaften Tat findet, haben wir uns zwangsläufig schon gewöhnt. Aber dass ein Amokschütze in einer Sondersitzung des Nationalrats vor einen Antragskarren gespannt wird, ist schon von erlesener Perfidie. So sprach Stronachs Top-Adlatus Robert Lugar im Parlament, es sei schrecklich, dass die Gesellschaft solche Kreaturen hervorbrächte, und dann weiter: „Der Grundstein dafür, ob ein Mensch ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft ist, wird in der Schule gelegt.“ Ein Killer als Parameter für die Bildungsdebatte, das muss als Geistes Kind erst einmal geboren werden.

Frank Stronach selbst blieb hingegen für seine Verhältnisse zuletzt unauffällig, sieht man davon ab, dass er sich live von Ingrid Thurnher über Inhalte seines eigenes Programms aufklären lassen musste („Österreich-Card?“ „Ja!“ „Nein, nein, nein, nein!“ „Doch!“).

Zielgerade

Manche anderen Spitzenkandidaten ließen wesentlich mehr von sich hören. Werner Faymann zum Beispiel hat auf der Zielgeraden des Wahlkampfs plötzlich eine grandiose Idee nach der anderen. Erst fiel ihm ein, dass Zahnspangen nichts kosten dürften, dann schüttelte er auch noch eine Steuerreform aus dem Ärmel. Das konnte Freund und Feind Michael Spindelegger natürlich nicht auf sich sitzen lassen und konterte mit „Mogelpackung“ sowie der Idee, Familien dringend entlasten zu müssen. Zwischenzeitlich nannte ÖVP-Generalsekretär Rauch irgendetwas „nackerbatzig“. Vielleicht war das aber nur die Antwort auf die Frage, wie er es nennen würde, wären am Abend einer fünfjährigen Koalition plötzlich alle gar so fleißig.

Eine wahre Erkenntnis brachte diese Woche aber definitiv. Als nämlich der ORF-„Wahlfahrt“-Chauffeur seinen Fahrgast fragte: „Wann erleben wir den echten HC Strache?“ Da der unentspannte FPÖ-Chef auf einer ganztägigen Autoreise im Unterschied zu allen anderen in keiner Silbe von seiner Themenmonotonie abweichen wollte und das prompt als Authentizität pries. Da konnte Hanno Settele noch so oft „Glauben Sie, was Sie sagen?“ oder „Im Ernst?“ fragen. Die Wahrheit ist: Strache ist wirklich Strache, und das hätten möglicherweise nicht einmal seine Wähler gedacht.

Endlich

Auch abseits der Politik tat sich einiges. Besonders wichtig erscheint dabei, dass Fiona und KHG bei einer Vernissage endlich ihr „Society-Comeback“ ( Österreich) feierten. Dass die Geschlechterfrage des Schönbrunner Pandababys endlich geklärt ist – „Hurra, es ist ein Bub!“ (Heute). Oder dass es im Privat-TV „endlich Nackte bei Big Brother“ (Österreich) gab.

Zum Auftritt der Wr. Austria in der Champions League (0:1 gegen Porto) fiel uns gerade noch die alte österreichische Fußball-Weisheit ein (Gut gekämpft, respektabel gespielt, aber ...). Während uns zu dem Buben, der sich auf dem Bahnhof in Baden in ein Schließfach (45 x 35 x 85 cm) sperren ließ und von zahlreichen Rettungskräften befreit werden musste, nix mehr einfiel.

Denn manchmal fühlt man sich beim Entwurf eines Österreich-Psychogramms einfach nur ein bisserl nackerbatzig.

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