Zu groß, aber nicht groß genug

Doris Knecht © Bild: Doris Knecht

Kürzlich fand man einen winzigen messingfarbenen Schlüssel und musste kurz überlegen... ah, das alte Postfach.

In den Müll also, denn das wurde schon vor Jahren durch die neuen EU-Postfächer ersetzt. Bei anderen LeserInnen geschieht das erst jetzt: Das neue Postmarktgesetz verlangt, dass alle Postkästen bis Ende 2012 „auf EU-konforme Klappenfächer mit Einwurfschlitz getauscht werden müssen“, wie die Post in einem Brief mitteilt. „Diese neuen Brieffachanlagen gewährleisten, dass nur mehr Sie persönlich Zugriff auf Ihre Post haben.“ Post-Kunden wie Ihre Autorin, die schon seit Jahren mit den neuen Brieffachanlagen leben müssen, können dagegen guten Gewissens behaupten, dass dem keineswegs so ist.

Tatsächlich sind die „neuen“ Haus-Briefanlagen bestens dafür geeignet, dass auch alle Nachbarn Zugriff auf die Post haben – bzw. hätten, wenn sie wollten. Die Schlitze der neuen Postfächer sind nämlich groß genug, dass man durch sie ohne größere kriminelle Kompetenz das eine oder andere Kuvert herausfischen kann. Allerdings sind diese Schlitze, was Leser Josef B. jeden Donnerstag ärgert, wiederum nicht breit genug, um etwa eine ZEIT unbeschadet in das Fach aufzunehmen. Was entweder dazu führt, dass Herr B. die ZEIT völlig zerfleddert aus dem Fach entnimmt. Oder sie völlig zerfleddert bei der nächsten, weit entfernten Post-Filiale abholen darf, weil sie trotz Gewaltanwendung offenbar doch nicht durch den Schlitz passte. Aus genau solchen Gründen ist das Fach Ihrer Autorin seit Jahren kaputt. Die Postfächer sind ungeeignet – und ULP weiß das längst. Kein Grund, sie nicht dennoch endlich österreichweit zu montieren.

Erstellt am 10.04.2012