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14.05.2017

Keine Angst

Endlich spielt auch einmal die Politik nach den Regeln der jungen Leute.

Philipp Wilhelmer | Über den digitalen Wahlkampf

Wie hohl muss ein Ort sein, um als Echokammer zu taugen? Die Suche nach einer Antwort führt unweigerlich ins Internet. Im Fernsehen sagt zum Beispiel einer mit dünner, aber gefasster Stimme: „Ich persönlich glaube, dass vorgezogene Wahlen der richtige Weg wären.“ Im Netz brüllt ihm das Echo entgegen: „SCHNÖÖSEEL!!“ Oder: „BRAVO, SEBASTIAN!!!“ (Etwas leiser: „Wollen wir nicht noch lieber auf den U-Ausschuss warten?“)

Wahlkampf ist die Zeit, in der zwei Partner auseinandertreten, um hinfort jedem Argument des anderen jegliche Bedeutung abzuringen. Der inhaltliche Wert einer Aussage wird nicht an ihrem gestalterischen Einfallsreichtum gemessen (oder gar der Möglichkeit, die Idee auch in die Tat umzusetzen). Sondern daran, wie sehr man das Gesagte aushebeln, verfremden und zerstören kann.

Und: Wie gut sich das ins Netz auslagern lässt. Alles, was im Fernsehen oder in Zeitungen erläutert wird, wird im Netz von schlecht angelernten (dafür aber unbezahlten) Hilfskräften in einem gigantischen, gemeinschaftlichen narzisstischen Furor zerhackt.

Auf der anderen Seite muss man lobend erwähnen: Endlich spielt auch einmal die Politik nach den Regeln der jungen Leute. Wie Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, der an den Grünen Peter Pilz auf Twitter schrieb: „Hey du Fossil – bei uns kommen die Jungen an die Spitze bei Euch werden sie ausgeschlossen #kurz4kanzler“

In diesem Sinne: Haben Sie keine Angst vorm Echo.