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02.02.2012

Im Bild: Keinsterlei Süßlichkeit

Und dann war „Tsunami – Ein Leben danach“ ein richtig guter Film.

Veronica Ferres spielt Billi Cramer. Also eine Frau, die beim Tsunami von 2004 Mann und Kinder verlor – und schließlich einen anderen Hinterbliebenen der Katastrophe heiratete: Das klang extrem gefährlich. Weniges im deutschen Fernsehen kann so unangenehm wirken wie Ferres als „starke Frau, die ihr Schicksal überwindet“ (abgesehen von Christine Neubauer als starke Frau, die ihr Schicksal ...).

Und dann war „Tsunami – Ein Leben danach“ ein richtig guter Film. Weil Ferres nämlich, wenn sie will, eine ausgezeichnete Schauspielerin ist. Vor allem aber, weil man die realen Vorbilder in die Arbeit einband und ihre Sichtweise ernst nahm. Daher verzichtete der Film auf jedes süßliche „Das Leben geht weiter“-Pathos. Wie sagte die echte Billi Cramer in einem Interview? „Ich habe viele Trauerbücher gelesen. Da stehen Lebensweisheiten wie: Man soll die Vergangenheit positiv sehen. Oder: Man soll im Schlechten immer das Gute sehen. Da gehe ich nicht mit. Ich erkenne nichts Gutes an meinem Schicksal, gar nichts.“

Der wandelnden Dermatologen-Reklame Stefan Petzner ist es in der „ZiB 2“ gelungen, den unsinnigen Superlativ „in keinster Weise“ (kein, keiner, am keinsten, also noch nichter als nicht?) noch zu steigern: „In keinsterlei Weise“ sei Schmiergeld an das BZÖ geflossen. Ja, eh.