Meinung | Kolumnen | Hund und Herrl
05.12.2011

hund & HERRL: Verborgt, nicht verschieden

Barolo ist nicht tot, sondern im Urlaub.

Traf einen alten Bekannten, den ich seit einem halben Jahr nicht gesehen hatte. Wir waren in einer Gartenwirtschaft verabredet, und weil ich meinem Hund Barolo drei Tage frei gegeben hatte, um ins Burgenland zu reisen und die Ernährungsgewohnheiten der Eingeborenen zu studieren, kam ich allein in den Gastgarten. Nun habe ich in den Jahren mit dem Hund Barolo die Aufmerksamkeit fremder Menschen zu ertragen gelernt. Gutes Restaurant mit Aussicht auf die Promenade, und mein Hund beginnt mit Sicherheit zu jaulen, wenn draußen ein schiacher Rattler vorbeigeht, dem er sich gern an den Hals schmeißen möchte. Ruhiges Kaffeehaus, und der Hund reißt ruckartig an der Leine, worauf der Tisch umfällt, die Kaffeetasse das Zeitliche segnet und ich meine Standardlügen auspacken muss, nein, ich weiß auch nicht, das hat er noch nie gemacht. Stille Stunde auf der Toilette des Hotelrestaurants, und vor der geschlossenen Klotür das Wimmern meines Hundes, der zu seinem Herrl möchte. Ich will sagen: ich bin gestählt. Der alte Bekannte gestikuliert schon aus weiter Entfernung. Wo mein Hund ist. Das ruft er auch laut durch den Garten, so dass sich sämtliche Gäste vergewissern können, ob es tatsächlich ich bin, der jetzt kommt. Als ich zurückschreie, dass der Hund verborgt und nicht - darauf zielt seine Frage nämlich ab - verschieden ist, steht der Mann auf und beginnt zu heulen. Huhuhu. Huhuhu. Wie ein Wolf, nein, anders . . . wie mein Hund Barolo. "Wenn er mich nicht so begrüßt", sagt er. "Begrüße eben ich dich so." Ein Garten mehr, der sich kopfschüttelnd an uns erinnern wird.