hund & HERRL: Tanzender Hund

Foto: KURIER

Barolo und der Feuerwehr-Kirtag.

Als zuletzt in unserem feinen Weinviertler Dorf Feuerwehr-Kirtag gefeiert wurde, bestand mein Hund Barolo darauf, tanzen zu gehen. Er tanzt gerne. Früher tanzte er auf den Hinterbeinen, die Vordertatzen auf meine Schultern gelegt, und sobald ich einen Schritt machte, der gegen die strengen Regeln der lateinamerikanischen Rhythmen verstieß, machte mich der Hund mit seiner langen, rosa Zunge darauf aufmerksam. Heute erhebt sich der Barolo nur noch selten auf die Hinterbeine. Er tanzt auf allen vieren - womit er bei vielen Kirtagen durchaus nicht auffällig wirkt.

Unserem feinen Weinviertler Dorf sind derlei ekstatische Formen des Gesellschaftstanzes natürlich fremd. Es ging gesittet zu. Es wurde viel geredet, es wurden viele Pommes frites verzehrt, und ein paar Fässer Bier sollen auch getrunken worden sein, aber der Tisch, an dem ich saß, war maximal für eines verantwortlich. Was dann geschah, war ein Musterbeispiel für das Schmidtchen Schleicherische, das sich mein Hund Barolo auch im hohen Alter bewahrt hat. Natürlich lag er unter dem Tisch, wo er sich in der Regel so benimmt, als läge er gar nicht da. Im konkreten Fall war dieser Eindruck darauf zurückzuführen, dass der Barolo tatsächlich nicht da lag: er hatte die Ohren angelegt, war aus dem Halsband gefahren und hatte sich, leise wie ein Komantsche, an allen Bekannten und Unbekannten vorbeigeschlichen, um nachzuschauen, was in der Küche los ist.

In der Küche, was sonst, ein Riesentheater. Dann war der Barolo aber auch schon wieder da und schleckte sich das Maul. Nur in der Küche fehlte eine Stelze.

(kurier / Christian Seiler) Erstellt am
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