Meinung | Kolumnen | Hund und Herrl
05.12.2011

hund & HERRL: Knuspriger Hundebraten

Christian Seiler über rauchende chinesische Metzger.

Ein Freund, der beruflich in China zu tun gehabt hatte, kehrte mit einem befremdlichen Bilddokument auf seinem Handy zurück. In der Stadt Huaji war er über den Markt geschlendert und hatte beobachtet, wie ein Metzgergehilfe einen kleinen, schwarzen Hund schlachtete - wobei schlachten fast ein zu milder Begriff ist. Der Gehilfe legte dem zuerst noch lethargisch in seinem Käfig sitzenden Hund eine Drahtschlinge um den Hals und hob ihn anschließend an einem an eine Angel erinnernden Mordinstrument in die Höhe - der Hund begann zu strampeln und zu zucken, der Metzgergehilfe wartete, Zigarette im Mundwinkel, mit der Routine dessen, der weiß, wie lange ein kleiner Hund strampelt und zuckt, bis er erstickt, auf den Tod des Tieres. Ein weiteres Bilddokument zeigt dann, wie der Hund gehäutet und mit Messer und Beil elegant zerlegt wird, ein letztes, wie das Tier auf dem Grill liegt und einem Spanferkel plötzlich sehr ähnlich sieht. Schon stecken wir mitten im Dilemma. Wenn ich nach dem Betrachten des abstoßenden Videos meinen Hund Barolo betrachte und froh bin, dass ihm das Schicksal des chinesischen Artgenossen erspart bleibt, drängt sich doch wieder die Frage in den Vordergrund, wie der Tierfreund seine Liebe für knusprige Schweinsbratenkrusten ausleben soll. Der Zweifel, der mich regelmäßig befällt, bekam gerade neues Unterfutter durch das simple und gerade in seiner Lakonie eindrucksvolle Buch von Jonathan Safran Foer, das "Tiere essen" heißt und ein Plädoyer für den Vegetarismus ist. Ich koche mir heute Linsen, um Zeit zu gewinnen, und der Barolo kriegt Trockenfutter, und ich schaue bestimmt nicht nach, woraus es gemacht ist.