hund & HERRL: Jubiläen

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Ovationen für hund & HERRL

Mit Jubiläen habe ich es schwer. Ich bin kein Freund von ihnen. Der eigene Geburtstag ist mir mehr Last als die vergnügte Eröffnung eines neuen Lebensabschnitts, in dem man, je nach Alter, im Lokal Bier trinken, ein Automobil lenken oder die Grünen wählen darf.

Das ist lange vorbei. Stattdessen nähern sich Gedenktage, an denen nicht geladene Festredner die Verdienste eines bereits zum größeren Teil absolvierten Arbeits- und Familienlebens würdigen würden - wobei: was sollten sie da würdigen? So schnell geht das doch nicht! Keine Ahnung, wie andere Menschen mit 40, 50 bereits am Mond oder amerikanischer Präsident gewesen sind.

Wie gut es mein Hund Barolo hat. Er nimmt seine Geburtstage, wenn überhaupt, nur mit dezidiertem Erstaunen zur Kenntnis: Warum ist mein Napf heute besser gefüllt als sonst? Warum schaut mich der Alte so rührselig an und verfüttert mir drei "Ja Natürlich"- Knackwürste? Hat er zu viel vom Blaufränkisch erwischt oder vier Stunden "Coeur de pirate" gehört?

Nicht, dass der Hund die Ovationen zurückweisen würde. Er mag es, wenn ich rührselig bin und die Länge des gemeinsamen Lebenswegs besinge. Der Hund mag alles, wo am Schluss ein guter Bissen herausspringt - und vielleicht sollte man diese Philosophie auf die eigenen Jubiläen anwenden, sich bei der Familie Sodoma anmelden und das Reden der Anderen über sich ergehen lassen, egal, gleich kommen die tröstlichen Grammelknödel . . . ich denke, so werde ich's machen, danke, mein Hund.

Warum ich euch mit Jubiläen belästige? Nein, weder der Barolo noch ich haben etwas zu feiern, nur wir beide gemeinsam. Das ist die 700. Kolumne aus unserem Leben.

(kurier / Christian Seiler) Erstellt am
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