hund & HERRL: Jazz und die innere Sonne

hund & HERRL: Jazz und die innere Sonne © Bild: KURIER

Warum es in der Küche regnet und wie ein sardischer Trompeter die Seele erwärmt.

Strategien gegen den November: 1. Mein Hund Barolo zum Beispiel regnet, bevor er draußen im Grau beregnet wird. Sobald ich die Kühlschranktür öffne, taucht er wie eine schwarze Wolke auf, donnert leise und beginnt aus den Mundwinkeln zu regnen. Wenn ich mir ein Brot mache, zum Beispiel mit der wunderbaren "Bresaola", die ich mir hie und da bei "Vidoni" hole, verschlechtert sich die Wetterlage, der Regen wird stärker, und nach meiner Mahlzeit steht in der Küche das Wasser. 2. Es hat keinen Sinn, Trübsal zu blasen, weil es draußen kalt, feucht und dunkel ist. Sehr wohl Sinn hat es jedoch, dem November einen Soundtrack zu verschaffen, der auf den ersten Blick so wirkt, als würde er die Tristesse illustrieren, aber spätestens beim zweiten Hinhören so viel Frieden und Schönheit aus blauen Akkorden hervorholt, dass man plötzlich den Wunsch hegt, dass es gar nicht mehr hell wird und dass der November dieser Musik nie mehr aufhören soll. Das Album - ein echtes Jazzalbum übrigens, sofern es so etwas noch gibt - stammt von Carla Bley und heißt "The Lost Chords find Paolo Fresu", wobei Paolo Fresu ein sardischer Trompeter ist, der die Räume über den verlorenen Akkorden mit Inbrunst und Seele füllt (Tonbeispiel auf der Website). Sehr wärmend. 3. Aber wenn es dann innen doch kühl wird: Setzen Sie sich nachmittags in die "Goldenen Zeiten" und bestellen Sie eine Seafood-Suppe, gern auch ein bisschen pikant gewürzt. Man muss eben wissen, wer die Sonne inwendig aufgehen lassen kann, solange die Wintersonnenwende noch auf sich warten lässt.

Erstellt am 05.12.2011