hund & HERRL: Gegengift

hund & HERRL: Gegengift © Bild: KURIER

Barolo und die Kürbisapathie.

Es ist ein Rätsel. Wenn ich zum Beispiel in der Küche stehe und Kürbissuppe koche, bleibt mein Hund Barolo völlig entspannt. Ich kenne mich inzwischen aus mit Kürbissuppe - wobei ich ein echter Kürbissuppenkonvertit bin. Denn bis ich das Geheimnis des Gemüsefonds kannte, mit dem man Kürbissuppe anrühren muss, damit sie Kraft und Glanz bekommt, hielt ich Kürbissuppe für so fad wie eine Liveplatte von Jan Garbarek. Aber dann bekam ich das Rezept des Gemüsefonds vom Dolder-Restaurant in Zürich, und seither kann ich jedes vegetarische Gericht mit echter Substanz aufpeppen (Rezept auf der Website). Sogar mein Hund, der die faden Schwaden des Kürbisaromas sonst nicht einmal ignoriert, hebt die Augenbraue, wenn ich in großen Pötten meinen neuen Lieblingsfond anrühre. Aber wieso verfällt der Hund in gieriges Hecheln, obwohl ich ihn gerade mit seinem Lieblingstrockenfutter gefüttert habe, sobald ich im Kochbuch nach einer Beilage für gebratene Lammkotelettes suche? Haben die Seiten, auf denen knusprige Lambchops abgebildet sind, einen Eigengeruch? Reagiert meine Peristaltik auf den bevorstehenden Fleischgenuss, so dass mein Hund daraus seine Schlüsse ziehen kann? Und warum schläft er engelsgleich, obwohl er auf Diät ist und einen krachenden Hunger haben muss, wenn ich Mangold dämpfe oder Kürbiskraut herstelle? Obwohl sich Kürbiskraut - der Begriff Kraut ist in diesem Zusammenhang irreführend, weil es sich ja nur um Kürbis handelt, der mit dem Krauthobel in Streifen geschnitten wird - ausgezeichnet als Beilage zu Lammkotelettes eignet? Vielleicht sollte ich ihm auch einfach ein Lammkotelett in den Napf fallen lassen, als Gegengift zur Kürbisapathie.

Erstellt am 05.12.2011