Meinung | Kolumnen | Hund und Herrl
05.12.2011

hund & HERRL: Geänderte Gewohnheiten

Barolo verbringt seine Nächte lieber draußen im Freien, schließlich ist im Garten immer was los.

Manchmal ändert mein Hund Barolo seine Gewohnheiten von heute auf morgen. Zum Beispiel hat er während der letzten zehn Jahre keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Nacht draußen im Garten verbringen möchte - die Nacht ist dort heller, der Igel kann verbellt werden, der imaginäre Einbrecher abgewehrt, und wenn den Hund nach erfolgreich absolvierter R.E.M.-Phase das Bedürfnis überkommt, kann er aufstehen und, umwölkt von Buschwindröschen, in die Botanik pischen, um sich anschließend wohlig auf dem Rasen zu räkeln und auch noch das Fürzlein loszuwerden, das ihn gedrückt hat. Ich war meinem Hund diese nächtliche Freiheit manchmal neidig (aber nicht so neidig, dass ich ihm mit der Luftmatratze gefolgt wäre, der Barolo hätte das wohl als Installierung eines Doppelbetts verstanden). Manchmal öffnete ich dem Hund die Tür auch nur zögernd, wenn draußen nämlich hüfthoch Schnee lag - aber der Barolo war sich sicher, er grub Kuhlen in den Schnee, errichtete Iglus, war bei Minustemperaturen ein positiver Hund, der weder mit Drohen noch mit Flehen dazu zu bewegen war, den Garten gegen den Wohnzimmerteppich einzutauschen. Zuletzt jedoch, als die Tage lang und die Nächte mild waren, stand der Barolo heulend vor der Tür: Lass mich rein, winselte er, draußen ist es so dunkel. Ich lag aber gerade so gut in meinem Bett. Bitte, hechelte der Hund, mach auf, und den Rest der Konversation erspare ich euch, denn es wurde wieder hell darüber. Aber es war ein echtes Bildungserlebnis, endlich einmal so stur wie mein Hund sein zu können und damit auch noch Erfolg zu haben.