hund & HERRL: Frühstück

hund & HERRL: Frühstück © Bild: KURIER

Barolo und die Verlockung des Frühstücksschinkens.

Ich sitze am Frühstückstisch. Nur eine Scheibe Schinken liegt noch auf dem Teller. Mein Hund Barolo, der es gern hat, wenn der Frühstückstisch sich leert, weil dann oft etwas vom Tisch fällt, quittiert jede meiner Bewegungen mit erhöhter Aufmerksamkeit. Das Reiben der Nase. Den Versuch, mein Hemd in die Hose zu stecken. Jedes Umblättern der Zeitung - der Hund betrachtet die Immobilienanzeigen auf der Rückseite des Sportteils so interessiert, als wolle er umziehen. Er weiß: Demnächst entscheidet sich's, ob die Scheibe Schinken zurück in den Kühlschrank wandert oder wie erhofft seine Kehle hinunter. Plötzlich springt der Hund auf, rennt ins Vorzimmer und bellt energisch. So bellt er sonst nur, wenn der Paketbriefträger vor der Tür steht, und da ich eh gerade ein wichtiges Packerl erwarte, stehe ich auf, obwohl ich im Gegensatz zu meinem Hund weder ein Klingeln noch ein Klopfen gehört habe, und ich reiße erwartungsvoll die Tür auf, aber vor der Tür. . . nichts. "Siehst du", sage ich zum Hund, obwohl ja gerade nichts zu sehen ist, und während ich mich über diesen Widerspruch mehr amüsiere, als ich müsste, sehe ich, dass ich den Hund nicht sehe. Weil er nämlich in die Küche zurückmarschiert ist. Zu seinem Schinkenblatt. "Trickspieler", schreie ich empört, weil ich fest überzeugt bin, dass mich der Hund in diese Falle gelockt hat, um ungehindert den Frühstücksschinken abzuholen - aber der Schinken ist noch da. Daneben sitzt der schwanzwedelnde Barolo, der findet, für so viel Beherrschung verdient er jetzt aber schon eine Belohnung, und er hat ja Recht.

Erstellt am 05.12.2011