hund & HERRL: Der Osterhase

Foto: KURIER

Barolo ist der erste Osterhase, der nichts bringt, aber was abholt.

Am Ostersonntag wollten mein Hund Barolo und ich früh aufstehen, um ins Grüne zu fahren. Uns stand der Sinn nach Tau an den Grashalmen und Dunst über den Wiesen. Da wir aber nicht daran gedacht hatten, den Wecker zu stellen, musste uns der Sound der Osterglocken aus dem Bett wehen, und als wir schließlich auf dem Roten Berg ankamen, um dort die Morgendämmerung nachzuholen, tummelten sich dort bereits zahlreiche Osterspaziergänger. Mir war's gleich, ich liebe die Biedermeierkulisse dieses Bergleins in Ober St. Veit zu jeder Tageszeit, aber mein Hund Barolo zeigte sich auf unserer Runde nicht so entspannt wie sonst, er schnupperte und witterte ohne Unterlass, er spähte hinter die Gebüsche und zog durchs Unterholz.

Ich maß den Exkursionen meines Hundes keine besondere Bedeutung bei, bis ich plötzlich entzücktes Geschrei von hinter ein paar Büschen vernahm, wo ein paar Erwachsene mit ihren Kindern sich zum Picknick hingesetzt hatten. Helle Kinderstimmen riefen enthusiastisch "Der Osterhase! Der Osterhase!", während mein schwarzer Hund aus dem Dickicht brach, im Maul einen halben, goldenen Lindt-Osterhasen, und zum raschen Aufbruch mahnte. Soll heißen: Er selbst zischte mit der ganzen Frische seiner vierzehn Jahre Richtung Parkplatz ab, ganz unfeierlich.

Ich fürchte, der Barolo war gerade der erste Osterhase gewesen, der nichts brachte, sondern etwas abholte, aber die Kinderstimmen schallten unverändert aus dem Wald: "Ich hab ihn genau gesehen ..."

Wer einen halben Lindt-Osterhasen vermisst, soll sich bitte bei mir melden.

(KURIER.at / Christian Seiler) Erstellt am
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