Meinung | Kolumnen | Hund und Herrl
05.12.2011

hund & HERRL: Barolos Weihnachtsgeschenk

"Liebes Christkind, mach den Barolo zu Weihnachten satt."

Das schönste Weihnachtsgeschenk, das mir mein Hund Barolo je gemacht hat? Über das Alter, als er mir Krawatten schenkte, ist er ja inzwischen hinaus, und die Versuche, mir etwas Leckeres unter den Baum zu legen, scheiterten regelmäßig daran, dass der Barolo, kurz bevor die Kerzen angezündet wurden, plötzlich grimmigen Hunger bekam. Er saß mir dann mit niedergeschlagenem Blick und feuchten Mundwinkeln gegenüber und sang bei unserem Lieblingsweihnachtslied "Maria durch ein Dornwald ging" eine beseelte zweite Stimme. Und als ich ihm nachher ein Päckchen mit feiner Kalbsextrawurst zusteckte, flüsterte mein Hund, dass wir doch ausgemacht hätten, einander zu diesem Fest nichts zu schenken. Dann fraß er die Wurst schnell auf, damit ich kein schlechtes Gewissen mehr haben musste, mich nicht an unsere Verabredung gehalten zu haben. Und doch wird Weihnachten jedes Jahr schöner. Diesmal feiern wir ja zum 14. Mal gemeinsam, der Hund Barolo und ich, und ich muss zugeben, dass sich in die letzten zwei, drei Feste schon ein herber Gedanke zu mischen begann. "Liebes Christkind", kritzelte ich dann auf meinen Wunschzettel, "mach den Barolo zu Weihnachten satt. Und mach ihn nächstes Jahr zu Weihnachten auch wieder satt". Diesen Wunsch hat mir das Christkind seit ein paar Jahren regelmäßig erfüllt. Ich revanchiere mich dann damit, dass ich wieder ein bisschen an das Christkind zu glauben beginne. Das schönste Weihnachtsgeschenk, das mir der Barolo also je gemacht hat? Dass er immer noch da ist. Dass er da ist und mir zu Weihnachten den Arm um die Schultern legt und sagt: "Gut, dass du noch da bist, Alter."