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27.01.2015

Zeit-Zeuge

Uns ein Heimrennen, noch dazu Kitzbühel, wegzuschnappen, geht nicht.

Karl Hohenlohe | über Marcel Hirscher

Marcel Hirscher: Zweiter. Dies war vielen zu viel. Schon hatten sie sich warm gejubelt, Obstler, Glühwein, Jägermeister – nicht stur in dieser Reihenfolge – und dann ganz kurz vor der Applaus-Entladung eine Implosion ungeahnten Ausmaßes.

Ein so was von unbekannter Schwede, sicher, nicht unsympathisch, aber uns ein Heimrennen, noch dazu Kitzbühel, wegzuschnappen, geht nicht. Geht überhaupt nicht. Die Siegerehrung, in dieser Konstellation vielen Zusehern eine unzumutbare Belastung, wurde gespritzt, der Frust in Obstler, Glühwein, Jägermeister ertränkt.

Marcel Hirscher, dem die Niederlage doch ein wenig ins Gesicht geschrieben stand, war ein wunderbarer Verlierer.

Keine Ausreden, wie wir sie früher so oft vernommen hatten, keine Seitenhieb auf die Skier, die Technik, das Wachs, das Wetter und die Funktionäre, der andere ist an diesem Tag, in diesem Moment einfach besser gefahren.

Das sagt sich so leicht, aber wenn man Jahre mit aller Kraft auf diesen einen Moment hintrainiert hat und dann nicht ganz oben steht, ist das natürlich sehr bitter. Übrigens für alle Kitzbühel-Starter, die am Stockerl nicht ganz oben standen.

Dann war da noch ein Reporter, der Herrn Hirscher fragte, welchem Slalom er den Vorzug gäbe: Kitzbühel oder Schladming. Herr Hirscher sagte umgehend, dies würde er gerne am Dienstagabend beantworten und das war eine wunderbare Antwort.

Herr Hirscher, Zweiter, hat, und so denken mit mir viele Österreicher, auch an diesem Wochenende gewonnen.