Meinung | Kolumnen | GesMBH
09.01.2013

Wildromantisch

Es war Frau Honey Ryder, der Frau Andress Gestalt gab, im wahrsten Sinn des Wortes.

Karl Hohenlohe | über Ursula Andress und Robert Reumann

Kürzlich stand die berühmte Schauspielerin Ursula Andress dem bekannten Reporter Robert Reumann gegenüber. Man sah sie im Fernsehen. Frau Andress ist in Würde gealtert, man erkennt ja immer erst an den anderen, dass die Zeit auch an einem selbst nicht spurlos vorübergeht.

Frau Andress wurde durch eine einzige Filmszene berühmt, da stieg sie für damalige Verhältnisse knapp bekleidet aus dem Wasser und bezirzte Herrn Connery. Wahrscheinlich ist es gar nicht so einfach, mit diesem Umstand zu leben. Da steigt man ein Mal aus dem Wasser und bleibt den Menschen für alle Zeiten triefend in Erinnerung. Viele andere Schauspielerinnen und Schauspieler sind dank ihrer Rollengestaltung unvergesslich geblieben. Alfred Böhm beispielsweise als Leihopa Waldemar Herzog, Charlton Heston als Kutscher Hur und Anthony Hopkins als Hannibal Lecter, dem Gegenteil eines Vegetariers. Herzog, Hur, Lecter – diese Namen haben sich unauslöschlich ins Gedächtnis eingegraben. Wer aber kann sich noch an den Namen von Ursula Andress in dem James-Bond-Film „Dr. No“ erinnern? Es war Frau Honey Ryder, der Frau Andress Gestalt gab, im wahrsten Sinn des Wortes. Trotzdem ist ihr Ruhm nie ganz verblasst, auch im Interview mit Herrn Reumann drang plötzlich ein Hauch von Hollywood durch. Glaubhaft versicherte Frau Andress auf Deutsch, sie wäre keine Anhängerin von wilden Filmen, aber sie sagte nicht wild, sondern „weild“ und umgehend lagen wir Fremdsprachenkundigen ihr zu Füßen.