Meinung | Kolumnen | GesMBH
11.04.2012

Tonfolgen

Karl Hohenlohe über ein Konzert bei den Osterfestspielen in Salzburg.

Osterfestspiele.

Konzert in Salzburg.

Plötzlich reißt der Faden, der einen mit der Musik verbindet, die Töne verlieren sich im Hintergrund und werden im Unterbewusstsein zwischengelagert.

Das ist der Moment für die Augen, die seit den ersten Takten mit der Vorherrschaft der Ohren zu kämpfen haben.

Zuerst betrachtet man den Dirigenten, den Lockenkopf, das Haarkleid, das sich im Takt bewegt, die rudernden Bewegungen der Arme und ob ihn die Musiker fixieren.

Dann wendet sich der Blick ab, wandert vom Orchestergraben hinauf in die Galerie, von dort wieder herunter und bleibt an einzelnen Besuchern hängen.

Je stärker die Kraft der Musik, desto uninteressanter das Publikum.

Heute ist das Publikum interessant.

Da die Witwe, dort der Gastronom, da der Galerist und dort der Kritiker, der ins Leere starrt und die einleitenden Worte für die Abendausgabe schon im Kopf hat.

Vielleicht wird er von "Überheblichkeit" oder "Langeweile" schreiben, vielleicht von einem "Triumph" oder einer "Offenbarung".

In der Pause reden die Menschen über das Wetter und wäre man als Musiker Teil der Aufführung, würde man sich fragen, ob das gut oder schlecht ist.

Der letzte Takt verklingt, die Witwe ist schon weg und auch der Kritiker hastet hinaus.

Der Applaus ist nicht laut und nicht leise, nicht zu kurz und nicht zu lange.

Man fragt sich, wo man diese Aufführung einreihen soll und äußert sich zurückhaltend.

Die Abendausgabe wird weisen, wie es einem gefallen hat.

Einladungen, Beschwerden, Hinweise:office(at) hohenlohe.at