Meinung | Kolumnen | GesMBH
14.03.2013

Tonfolgen

Ich habe lange überlegt, ob ich die Wahrheit schreiben soll oder eine geschönte Lüge, aber ich bin der Leserschaft verpflichtet.

Karl Hohenlohe | über Unstimmiges

Kürzlich sah man den berühmten Schauspieler Patrick Dempsey im Fernsehen.

Wenn Herr Dempsey auf dem Bildschirm erscheint, lächeln die Zuschauerinnen. Nicht so, wie wenn Herr Clooney erscheint, aber fast.

Herr Dempsey ist, ganz wie wir alle, ein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft, im Gegensatz zu uns aber auch noch eine Säule der TV-Serie „Grey’s Anatomy“. Dort gibt er einen Arzt mit schwarzen Haaren.

Im deutschsprachigen Raum wird Herr Dempsey synchronisiert und so war es nun für viele das erste Mal, dass man Herrn Dempseys Stimme im Original vernahm.

Schade oder, elegant umschrieben, man hat sie sich anders vorgestellt.

Gewöhnlich haben prachtvolle Ärzte mit schwarzen Haaren, die in amerikanischen TV-Serien Hauptrollen spielen, eine starke Stimme, gebeizt mit dunklem Timbre, die Stimmbänder aus Satin, die Töne zu einem Singsang zusammengefügt. Als man Herrn Dempsey plötzlich auf dem Bildschirm sah, eine Brille österreichischer Prägung auf der Nase, war man ungemein gespannt, wie er denn nun wirklich klingt.

Ich habe lange überlegt, ob ich die Wahrheit schreiben soll oder eine geschönte Lüge, aber ich bin der Leserschaft verpflichtet.

Also: Die Stimme sitzt irgendwo im Kehlkopf und wäre man durch widrige Umstände gezwungen, für eine Synchronisation der alt gewordenen Micky Maus zu sorgen – der grundsympathische Herr Dempsey wäre ein heißer Kandidat.