Scherenschnitt

Die Genesis seiner Frisur ist kein Mysterium mehr.

Karl Hohenlohe | über Werner Schneyders Frisur

Immer wieder sind es die Superlative, die uns Österreicher tief bewegen. Die schönste Schauspielerin, der beste Politiker, die erfolgreichsten Manager und wer trägt die berühmteste Frisur Österreichs?

Es ist zweifelsfrei der sehr geschätzte Kunstlibero Werner Schneyder. Erst kürzlich mit einem Orden belohnt, durfte ich seinem Kopfhaar in einem Kommentar größte Aufmerksamkeit schenken.

Nun hat mir Herr Schneyder geschrieben. Die Genesis seiner Frisur ist kein Mysterium mehr.

Alles begann mit einem Schild, das plötzlich da stand und die Träume Dutzender jugendlicher Besucher des legendären „Grinzinger Bad“ atomisierte. Herr Schneyder, damals noch mit langem, blonden Haar gesegnet, musste „Für Langhaarige Badekappenpflicht“ lesen und sein Entschluss stand fest.

Er griff zur Schere, nahm die Haare zwischen die Finger und schnapp.

Diesem System blieb er immer treu, mit dem Hinweis, „Alles, was über zwei Finger geht, weg!“ versetzte er Jahrzehnte Coiffeure in allen europäischen Metropolen in größte Aufregung.

Heute dürfe nur eine Meisterin aus Spittal am Millstätter See und ein Kollege aus Wien an seinen Kopf.

Ungeklärt scheint mir jedoch immer noch das Faktum, dass sich im Kragenansatz manchmal bis zu fünf Finger halten.

office@hohenlohe.at

Ich ersuche also erneut um Aufklärung – nicht zuletzt, um den packenden Briefwechsel zu bündeln und ihn, unter dem aufsehenerregenden Titel „Schneyder, leih mir d’ Scheer“ auf den Markt zu werfen.

Erstellt am 26.01.2013