Raumwunder

Ges.m.b.H.: DÖF © Bild: KURIER

Der Zauber des Stoffwechsels liegt in seiner doppelten Bedeutung.

Karl Hohenlohe | über Dominique Meyer

Nie wird die Türe vorsichtig geöffnet oder leise, sie schwingt mit Nachdruck, ganz so, als ob die eintretenden Damen keine Muße hätten. Das stimmt.

Immer wieder dringt von außen Musik in die kleinen Räumlichkeiten, die Tür ist der Dirigent, geöffnet gebietet sie Crescendo, fällt sie ins Schloss, wird umgehend abgewunken.

Vor den Spiegeln drängen sich die Damen, Lidschattenreiche werden zurückerobert, Augenbrauen geformt, Münder hervorgehoben.

In all der Hektik haben die Hüterinnen dieses Reiches Ruhe zu bewahren, worin sie Erfahrung haben. Jahrhunderte haben sie auf eine Besserstellung ihrer Berufsbezeichnung gewartet. Früher waren sie Clofrauen, dann Toilettedamen, nunmehr firmiert man beim Opernball als Wartefrau.

Ein seltsamer Titel, der alles und nichts sagt, mutig, weil er eine herablassende Bezeichnung ersetzt, ein wenig feig, weil er das Wesentliche verdeckt.

Es ist ein sympathischer Zug von Dominique Meyer, dass er angesichts des nahenden Opernballes nicht nur an die da oben, sondern auch an die da unten denkt. Selbst wenn die Wartefrauen in den oberen Stockwerken wirken, denken viele, sie arbeiten unten.

Versierte Wartefrauen sorgen in erster Linie für Ordnung, in allererster Linie aber spenden sie Lob und bei Bedarf auch Trost. Es hat lange gedauert, bis man diesem Berufsstand Respekt zollte, die neuen Uniformen sind ein richtiger Schritt.

Der Zauber des Stoffwechsels liegt in seiner doppelten Bedeutung.

Erstellt am 20.01.2013