über Karikaturist Pammesberger
10/21/2014

Kunstraub

von Karl Hohenlohe

Nun gelang es mir erstmals, einem Schaffensprozess beizuwohnen.

Karl Hohenlohe | über Karikaturist Pammesberger

Seit vielen Jahren schon zählt der bekannte Karikaturist Michael Pammesberger zu meinen bevorzugten Linienrichtern. Ein Ausbund an Fantasie, ein Quell des Humors, ein Gottesgeschenk für jede Zeitung.

Nun gelang es mir erstmals, einem Schaffensprozess beizuwohnen. Es war während der Jubelfeierlichkeiten rund um den 60. Geburtstag des KURIER.

Zufällig kam ich neben Herrn Pammesberger zu sitzen, als gerade der bekannte Landeshauptmann mit der berühmten Frisur die Festbühne betrat.

Schon hatte Erwin Pröll zu wohlwollenden Worten angesetzt, da zückte Herr Pammesberger seine Feder. Flugs waren auf dem blütenweißen Papier zwei Augen, eine Nase, eine wahnsinnig hohe Stirn und ein wahnsinnig niedriger Haarkranz hingemalt. Erwin Pröll, wie er leibt und lebt.

Doch dann, ganz plötzlich, hatte der Landeshauptmann einen Schirm in der Hand. Es war nicht irgendein Schirm, nein, oben war er rund und glatt, einer glücklichen Billardkugel nicht unähnlich, unten, dort wo das Eisengestänge endet, war ein Haarkranz auszumachen. Jetzt fegte Herr Pammesberger mit einigen festen Strichen über das Papier: Es hatte zu regnen begonnen. Es war ein Meisterwerk.

Auf einmal sagte Herr Pammesberger: "Nein, es ist nicht gut genug", riss das Papier vom Block und zerknüllte es.

Die "Mona Lisa", "Der Schrei", "Der Kuss" der Karikatur wurde vor meinen Augen zermalmt und ich fühlte mich wie Howard Hughes, als er damals seinen riesigen Schwimmflugzeug-Prototyp in den Fluten versinken sah.

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