über die Gruft
09/21/2013

Bandbreite

von Karl Hohenlohe

Oben gibt es Sonne, Beratungsgespräche und eine warme Suppe.

Karl Hohenlohe | über die Gruft

Das Eröffnungsband zittert und man weiß nicht, ob es der Wind oder die Aufregung ist. Noch steht es zwischen den Dingen. Hinter ihm haben die Honoratioren Aufstellung genommen, die Frau Minister, der Herr Bürgermeister, die Frau Stadtrat, der Herr Generalanwalt a. D. und dazwischen Herr Andy, dem das Leben nichts geschenkt hat, und dem der Nachname verloren gegangen ist. Vor dem Eröffnungsband steht ein junger Garten mit alten Bäumen. Der neue Zubau des Obdachlosenzentrums „Gruft“ ist fertig und ein kurzer Schnitt mit einer Schere wird ihn für eröffnet erklären. Oben gibt es Sonne, Beratungsgespräche und eine warme Suppe. Unten wird, wie gewohnt, geschlafen. Wie gewohnt? Keiner von uns hat schon einmal in einem Obdachlosenheim geschlafen und die, die keine andere Wahl mehr haben, werden sich nie daran gewöhnen. Es ist ein seltsames Bild, all diese Menschen aus den verschiedensten politischen Lagern vereint zu sehen. Vereint hinter dem Eröffnungsband, verbunden durch eine Idee. In den letzten Wochen haben sich die Parteiführer in der Öffentlichkeit gescholten, der Lüge bezichtigt, der Verantwortungslosigkeit und des Verrats. Für ein paar Stunden ist es vergessen, der Blick auf die wesentlichen Dinge des Lebens ist freigelegt. Gut so, denkt sich das Eröffnungsband, wird entleibt und plötzlich gibt es zwei Eröffnungsbänder. Das war schon immer so, dass man durch teilen mehr bekommt, als man gegeben hat.

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