Ges.m.b.H.: Zug der Zeit

Karl Hohenlohe über die Pferdestärken der Straßenbahn

Vor wenigen Tagen war hier vom ehemaligen Volksopern- und Staatsoperndirektor Wächter zu lesen.

Ich hatte ihn auf einer Straßenbahnfahrt begleitet und er war wahnsinnig glücklich. Plötzlich hechtete er hinaus, dies zum Zwecke, eine Pferdeleberkäsesemmel zu erstehen. Zurück blieb die bange Frage: Was war der Quell der Freude - die Tramwayfahrt oder doch das mürbe Pferdefleisch?

Dazu schreibt Frau Magdalena E., Chefsekretärin in der Volksoper unter Dönch, Wächter und Holender: "Er hat die Straßenbahn geliebt, am liebsten wäre er mit der Bim in sein Büro gefahren."

Verehrte Leserschaft, diese Wortmeldung der ehemaligen Chefsekretärin dreier Operndirektoren ist einzigartig.

Wir wissen nun, dass Herr Wächter das Straßenbahnfahren mindestens so liebte wie sich selbst, aber was liebte er an dieser, doch ein wenig antiquierten Form der Fortbewegung?
Vielleicht war es das Loslassen-Können, das diesen, mit Verantwortung eingedeckten, Mann faszinierte. Der Tramwayfahrer war für die Fortbewegung verantwortlich, der Schaffner für das Finanzielle und Herr Wächter hatte eine gesegnete Zeit lang seine Ruhe.

Noch bemerkenswerter an dem Leserbrief von Magdalena E. ist aber die Bezeichnung "Bim".
"Bim" glauben viele zu hören, wenn die Straßenbahn um die Ecke biegt, aber sie hören nicht "Bim", sondern "Bimm".

Dönch, Wächter und vielleicht auch Holender hätten "Bimm" gehört, Frau Magdalena E. aber "Bim", und das ist der Grund dafür, dass diese so beliebte Dame Chefsekretärin der Oper war, Dönch, Wächter und Herr Holender aber Operndirektoren.

(kurier) Erstellt am
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