Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Zeitenblicke

Karl Hohenlohe über Yusuf und wie man an einem Abend gefühlte 150 wird.

Cat Stevens, nunmehr Yusuf, in der prall gefüllten Wiener Stadthalle. Ich bin von grau melierten älteren Männern umgebe, sie denken sich das Gleiche von mir. Cat Stevens erscheint mit grauem Bart und Brille, Jubel tobt los, ich juble mit. Ein alter Hadern folgt dem anderen, dann plötzlich ein unbekanntes Lied. Nein, es ist kein unbekanntes Lied, sagt mein Nachbar, es ist ein neueres Lied. Ich sage, alle neuen Lieder sind unbekannt, und während des gesamten weiteren Konzertes werden der Nachbar und ich kein Wort mehr wechseln. Dann spielt Cat Stevens ein Lied und ich kann mich noch genau erinnern, dass ich es in Plomberg am Mondsee das erste Mal gehört habe. " I wrote this song 1966 ", sagt Cat Stevens, und es ist das erste Mal von vielen Malen an diesem Abend, wo ich mich wahnsinnig alt fühle. Cat Stevens übergibt seine Gitarre dem Gitarrendompteur und geht zum Klavier. " Der Oasch kann alles ", sagt mein Nachbar bewundernd, aber ich ignoriere ihn. Cat Stevens wechselt erneut zur Gitarre, die kleine Pause nutzt ein Mann in der ersten Reihe, um " Bist eh echt leiwand, du Catsy " zu rufen. Applaus brandet auf, mein Nachbar klatscht mit. Dann wieder so ein herrliches Lied aus meinen Kindertagen und schon wieder fühle ich mich wahnsinnig alt. Catsy nutzt mein Gefühlschaos und bittet nun zwei Spezialgäste auf die Bühne. Seine kleinen Kinder laufen auf ihn zu und entpuppen sich als seine Enkel. Applaus brandet auf, standing ovations und als Zugabe "Peace Train". Ich taumle aus dem Saal, als 50-Jähriger habe ich die Stadthalle betreten, als 150-Jähriger verlasse ich sie. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at