Ges.m.b.H.: Tonspuren

Karl Hohenlohe über einen Jubilar der Musik.

80 Jahre ist er alt und gleich wird er den goldenen Rathausmann in der Hand halten.
Wenn ihn die Menschen sehen, denken sie an damals, an Heinz Rühmann, Trude Herr und Peter Alexander. Und dann drängen unweigerlich die alten Lieder ins Gehirn, der Wumba Tumba Schokoladeneisverkäufer, Pigalle, die große Mausefalle und der Krimi, ohne den die Mimi nie ins Bett geht. Tausende Male hat er diese Melodien gesungen, Tausende Male hat er das Publikum beglückt, aber irgendwann ist er der alten Melodien müde geworden und die Kür verkehrte sich in ein Pflichtprogramm. Ähnlich einem alten Ackerpferd, das all die Jahre durch den gleichen alten Acker pflügt und plötzlich ausschert, hat er dann die Arrangements verändert, ein wenig Dur dort eingebaut, wo vorher Moll war oder umgekehrt.
Das Publikum schätzt keine Veränderung, besser gesagt sein Publikum. Wenn es die alten Lieder hört, ganz genauso, wie auf den zerkratzten Schallplatten, dann denkt es an die Eissalons, das Fischer-Kino und an die Kinderfahrscheine, die der Straßenbahnschaffner mit einer riesigen silbernen Zange entwertete. Die Menschen tun das, was man heute nur mehr selten " in Erinnerung schwelgen " nennt. So wie jede Fernsehserie ihre Kennmelodie, jede Oper ihre Ouvertüre und jede Epoche ihre Maler hat, schuf er die Hintergrundmusik für eine längst vergangene Zeit. Dringt sie in auch nur leicht veränderter Form an das Ohr des Zeitzeugen, ist er zuerst verunsichert und dann verstimmt. Trotzdem ist Bill Ramsey seinen Weg gegangen und hat mehr neue Anhänger gewonnen, als er alte verloren hat.

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karl.hohenlohe@kurier.at

(kurier) Erstellt am
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