Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Streichfähig

Über die schöne und hässliche Künstler.

Gerade erst präsentierte Celine Roschek, eine ehemalige Schönheitskönigin und Geigenvirtuosin, ihre erste CD. Man lauschte gespannt, noch mehr aber betrachtete man die Vortragende. Wir Menschen sind ungemein leicht zu korrumpieren: Spielt die Dame A Herrn Bruchs Kompositionen genau so gefällig wie Dame B und ist darüber hinaus noch hübscher, täuscht uns der Verstand und wir halten Dame A für die versiertere Künstlerin. Ähnlich verhält es sich mit dem gar nicht so kleinen Personenkreis, der felsenfest davon überzeugt ist, dass ein vollgetanktes Auto besser fährt. Sehr schöne und sehr hässliche Stars haben es ganz einfach leichter, das Mittelmaß muss durch zusätzliches Talent und noch mehr Fleiß bestehen. In meiner Jugend bezeichnete man sehr hässliche Hollywoodstars als Charakterköpfe, man verehrte sie, liebte aber doch die Heroen ohne Charakter mit den schönen Gesichtszügen. Errol Flynn war so einer oder die Rabenmutter Joan Crawford. Die Gefahr bei wunderschönen Künstlern ist, dass sie sich gerne auf ihre Ausstrahlung und ihr Antlitz verlassen und irgendwann wird dann die Zeit zu ihrem größtem Feind. Geht gar nichts mehr, wechselt man zur Runderneuerung und die Ergebnisse der plastischen Chirurgie sind oft erschreckend. Die Ganovengesichter haben es leichter, ihre Hässlichkeit nimmt im Alter zu, ihre Köpfe gewinnen an Charakter. Frau Roschek spielt so ausgezeichnet Geige, dass man ganz auf ihr Gesicht vergisst. Das ist zugleich eine Lüge und ein Kavaliersdelikt. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at