Ges.m.b.H.: Stimmlage

Karl Lohenlohe über Schönbrunnerdeutsch und andere sprachliche Nuancen.

In den vergangenen Tagen lag ein zarter Hauch von Schönbrunnerdeutsch über der Stadt. Die verschiedensten TV-Stationen brachten Porträts, Interviews und Dokumentationen, in denen die Stimme des Verstorbenen zu hören war. Wenn er im ungarischen Radio auf Ungarisch befragt wurde, wussten die Menschen sofort, wer antwortete. Er sprach ein altmodisches Ungarisch, das heute längst ausgestorben ist. Auch sein Deutsch war mit jahrhundertelanger Geschichte gebeizt, es hatte nichts Nasales, wie wir es von verzweifelten Kabarettisten kennen, es war mehr bei Hofmannsthal oder Adrienne Gessner zu Hause. Das Affektierte am Schönbrunnerdeutsch kreierten erst jene, die es imitierten, der ewig gescheiterte Versuch die höhere Herkunft hörbar zu machen. Es gibt nur wenige Menschen, die sich in all den sprachlichen Nuancen bewegen können, erst gestern stand ich einer solchen Person gegenüber. Es war bei einer kleinen Feier zur 25. Sendung des so gelungenen Büchermagazins Erlesen, von und mit Heinz Sichrovsky. Plötzlich kam ich neben einer vertrauten Stimme zu stehen, melodiös und doch unprätentiös, ein wenig rauchig, 16. Hieb, Burgtheater, Chansons, Bücher, kurzum: Erika Pluhar. Wir unterhielten uns ein wenig und waren bald beim Thema Essen. Irgendwann sagte Frau Pluhar: "Dann sehen wir uns bei an Gulasch oda an Schweinsbrotn". Das war kein Burgtheater, aber es klang genau so schön, wie wenn der Verstorbene, "Bitt' schön, notürlich kann ich mich ein bissl an den Kaiser Franz Joseph erinnern", sagte. Nichts Gekünsteltes, nichts Prätentiöses und diese Dinge haben oft den längsten Bestand. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at

Erstellt am 05.12.2011