Ges.m.b.H.: Sprachschätze

Ges.m.b.H.: DÖF © Bild: KURIER

Karl Hohenlohe über das Problem der Anrede ehemalige Bundeskanzler, Olympia- und Europasieger.

Gerade sah man den berühmten Altkanzler Gusenbauer im Fernsehen.

Jedoch nicht nur ihn, sondern auch ein Insert, wo "Bundeskanzler i. R." geschrieben war. Dies habe ich noch nie gesehen, gewöhnlich werden den Altbundeskanzlern Inserts mit dem Begriff "Altbundeskanzler" und in Ausnahmefällen "Bundeskanzler a. D." beigestellt.

"A. D.", also "außer Dienst" gefällt ja gemeinhin wesentlich besser als das irgendwie diskriminierende "i. R.", also "in Ruhe".

Bei "in Ruhe" hängt sich bei unzähligen Zuhörern unweigerlich ein "in Frieden" daran, es ergibt zwar keinen Sinn, aber das hat uns ja noch nie von Assoziationen abgehalten.

Das Problem mit den ehemaligen Bundeskanzlern, Olympiasiegern, Welt- und Europameistern ist ja dieses: Soll man sie weiterhin so benennen, auch wenn sie es längst nicht mehr sind?

Ich persönlich halte es so: Es erinnert die Angesprochenen an den Zenit ihrer Zeit, sie lächeln viel eher, als würde man ihnen ein "Guten Abend, Herr Altbundeskanzler" oder "Mahlzeit Frau Exolympiasiegerin" entgegenwerfen.

Ungemein schwierig gestaltet sich die Ansprache der Angetrauten ehemals berühmter Persönlichkeiten.

Es hat sich eingebürgert, dass man zu der Frau des aktiven Bundespräsidenten auch "Frau Bundespräsident" sagt und dem Mann von Emese Hunyady , die 1994 auf dem Stockerl stand, immer noch "Herr Olympiasieger".

Sollen wir nun die Frau des Altbundeskanzlers "Frau Altbundeskanzler" titulieren? Oder sollten wir die Titel, wie die Diplomatenpässe, sein lassen, wenn sie nicht mehr sind, was sie einmal waren?

Erstellt am 30.01.2012