Ges.m.b.H.: Spitze Federn

Karl Hohenlohe über den alljährlichen Osterputz in all seinen Formen.

Auf Gut Aiderbichl lachte der Osterhase in die Kamera. Dazu Herr Moik, DJ Ötzi und die ehemalige Wienerwald-Chefin Frau Thyssen-Henne. Man kann es wenden, wie man will, aber Frau Thyssen-Henne hat Abertausende Hühner auf dem Gewissen, zerteilt, gebraten, paniert, im Geschäft verkauft oder über die Gasse. Nun sah man sie neben goldenen Kücken, mit Ostereiern in der Hand, manch eingefleischter Tierschützer wird sich "Die Hendlhenkerin!" gedacht haben, aber die meisten Menschen erinnern sich an Frau Thyssen-Henne als Wohltäterin, weil sie irgendwann einmal durch den herzhaften Biss in eine schöne Hühnerkeule glücklich gemacht wurden. Die Osterzeit wird ja von vielen Menschen für Aufräumarbeiten benutzt, die einen säubern den Körper, die anderen das Haus. Ich selbst ging daran, mein Archiv zu durchforsten und fand einen Brief einer Verwandten, die als Kind noch Herrn Liszt erlebt hat. Sie schreibt, Franz Liszt hätte ihr einmal von Napoleon III. erzählt, in dessen Beisein er über einige Wiener Themen improvisiert habe. Der Kaiser war sehr wohlwollend und wollte wissen, was der Maestro denn da spiele und Franz Liszt antwortete: "Das, Sire, sind Backhendln." Der Franzosenkaiser, des Deutschen mächtig, im Schweizerdeutschen sogar perfekt, nickte. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich wusste, was Liszt da gemeint hatte, darüber hinaus hege ich den leisen Verdacht, Liszt selbst war es auch nicht ganz klar. So zieht sich ein weiter Bogen von Franz Liszt zu Frau Henne, bei der man nie weiß, ob sie zuerst in Gut Aiderbichl war, oder die Eier in ihren Händen. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011