Ges.m.b.H.: Soulfood

Karl Hohenlohe über die Musik und die Stille

Gelegentlich wirft man den Stützen der Gesellschaft eine gewisse Gefühlskälte vor.
Man meint, sie taumeln von einem Event zum anderen, verlieren sich in hohlen Sprüchen und werden zu Hause von Einsamkeit verfolgt. Mag sein, aber es gibt auch gegenteilige Beispiele.
Im Augarten-Palais, der beliebten Sängerknabenschmiede, wurde nun eine sehr gelungene CD präsentiert. Frau Angelika Kirchschlager sang, was Mahler, Brahms oder Schubert komponiert hatten, und die Philharmonia Schrammeln spielten dazu. Darüber hinaus konnte man die Originalgeige von Josef Schrammel aus dem Jahre 1888 nicht nur hören, sondern auch sehen.
Frau Kirchschlager begleitete ihr Singen mit intensivem Mienenspiel, sie lächelte, wurde ernst, lachte, warf die Locken, aber man hatte keine einzige Sekunde das Gefühl, einem Grimassenschneiden beizuwohnen. Es ist eine seltsame Mischung, wenn das picksüße Hölzl die melancholischen Notenfolgen wiedergibt, begleitet von zwei Geigen und einer Ziehharmonika, und Frau Kirchschlager dazu singt. Da schwingt die längst verlorene Heurigenseligkeit mit, die wir eigentlich nur noch von den Sonntagnachmittagsfilmen her kennen, plötzlich hört man traurige Töne, die zunehmend ins Tragische hinübergleiten, dann wieder wird es kitschig, aber nur fast, und am Schluss bleibt irgendetwas, das einen gefangen hält. Das war nichts Oberflächliches, sondern sehr viel Gefühl und nicht umsonst hat man die neue CD Seligkeit getauft. Beim Vorbeigehen höre ich noch Frau Kirchschlager, die sagt, am allerliebsten lausche sie der Stille, aber diese CD, kommt der Stille schon sehr nahe.

(kurier) Erstellt am
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