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21.12.2011

Ges.m.b.H.: Serafin 80

Karl Hohenlohe über den wunderbaren Jubilar.

Als er geendet hatte, stand man auf und applaudierte fast so lange, wie seine Dankesrede gedauert hatte.

Harald Serafin feierte also den 80. Geburtstag. Ich durfte mich schon mehrfach als großer Anhänger des Mörbisch-Intendanten zu erkennen geben, dies nicht nur wegen seiner positiven Weltanschauung, ich schätze Herrn Serafin vor allem wegen seiner Höflichkeit. Die Kunst der Höflichkeit ist es ja, sie so auszuüben, dass es die anderen nicht merken. Schweigt jemand am Tisch, wird man also versucht sein, ihn in das laufende Gespräch einzubinden. Ist er so langweilig, dass man den Versuch nach dem dritten Mal abbrechen muss, lässt man den Langweiler über seinen Status im Unklaren und versucht demnächst erneut sein Glück.

Aus diesem Holz ist Herr Serafin geschnitzt, ein kleines Beispiel soll seine große Fähigkeit zum Entgegenkommen illustrieren. Er hatte sich am Eingang postiert, jeder Gast wurde einzeln begrüßt und mit aufmunternden Worten belohnt. Auch ich und so konterte ich mit einer kleinen Laudatio, die sich stellenweise etwas in die Länge zog.

Herr Serafin hörte zu, nickte und ganz plötzlich sah er für eine Viertelsekunde hinter mich, um mich dann erneut zu fixieren. Diese Viertelsekunde, die bei anderen, Ungehobelten, mindesten zwei Sekunden gedauert hätte, war von  allergrößter Höflichkeit.

Hinter mir wartete nämlich Bundeskanzler a. D. Franz Vranitzky auf seinen Händedruck. Mit einer einladenden Handbewegung in das Innere beendete Herr Serafin meine Suada, eine kleine Geste mit ungeheurer Grandezza ausgeführt und so bleibt er der höflichste Mörbisch-Intendant, den ich kenne.

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