Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Schwarze Liste

Karl Hohenlohe über die Nicht-Farbe Schwarz als Dress-Code der Künstler und Kreativen.

Wann immer ein Künstler um das Eck biegt - er trägt Schwarz. Maler, Kabarettisten, Grabredner und Schauspieler, immer tragen sie Schwarz. Wolkenverdeckter Himmel bei Nacht, das ist die Lieblingsaussicht der Künstler. Ich frage mich, was man mit diesem düsteren Daherkommen bezweckt, will man von der eigenen Person ablenken oder will man sie betonen? Die Kunst soll mehrheitlich der Erbauung dienen, uns unterhalten, zum Lachen und zum Weinen bringen, aber nur durch das Tragen schwarzer Kleidung lässt sich das nicht so einfach realisieren. Das Schwarz gehört den Raben, wenn sie um die Gräber fliegen, Schwarz, das ist das Licht der Unterwelt und schwarz ist der Souffleurkasten, wenn keine Souffleuse drinnen sitzt, der Hades aller Schauspieler. Ist die Uniform der Künstler überall gleich? Ist Weiß das Schwarz der farbigen Künstler und dieser Satz nicht von uferloser Tiefgründigkeit? Waren es die Künstler, die dem Schwarzen Meer zu seinem Namen verhalfen, haben sie das Schwarzfahren erfunden, und sind nicht sie es, die die Kontingente für die Schwarzmarktkarten füllen? So wollte ich es heute schreiben, die Leserschaft gegen das Schwarz mobilisieren, dem Mauve, dem Ocker, Kobaltblau und Weiß zu einer Renaissance verhelfen. Dann aber sah ich ihn, wie er die Außenstiege des Steirereck herunterstieg und es wie ein Aufstieg wirkte. Ein blütenweißer Anzug, ein blütenweißes Hemd, die Manschetten weiß, das Helle in den Fingernägeln und den Zähnen. Nur das Schuhwerk glitt ins Beige ab, wurde aber von dem weißen Strohhut abgefangen. Irgendwann verschwand Herr Heller in der Menge und meine Theorie von der schwarzen Uniformität der Künstler ebenso.