Ges.m.b.H.: Schatzkiste

Karl Hohenlohe über Dinge, die unmöglich scheinen, aber trotzdem so sind.

"Sie lügen in Ihrer Rubrik" , schreibt Helga S. aus F., "so viele berühmte Leute kann man gar nicht kennen." Doch. Ich zehre von einem ungeheuren Vorrat, der sich in zwei Jahrzehnten Seitenblicke -Tätigkeit angesammelt hat. Alle Interviews, die guten und die schlechten, habe ich damals wortwörtlich zu Papier gebracht, diese Schnittlisten sind mein Society-Gedächtnis. Roger Moore, Peter Fichna, die Nichte von Mary Vetsera, Erik Ode, Don Jaime de Mora y Aragón, Peter Pacult und Abertausende andere haben Spuren in meinen Notizbüchern hinterlassen. Jedes "Ähh" , jede Geste, jedes Murren ist penibel aufgezeichnet und für die Nachwelt festgehalten. Manchmal staune ich selbst, wen aller ich schon treffen, aber nicht kennenlernen durfte. Dazu war zu wenig Zeit und wohl auch zu wenig Interesse. Ich sitze auf einem riesigen, ungehobenen Schatz von Anekdoten und wenn mir danach ist, dann krame ich in den Preziosen und zerre ein Juwel an die Öffentlichkeit. So hat mir ein Staatsoperndirektor, ich glaube, es war Herr Drese, einmal vom Dirigenten Fritz Busch erzählt, der zum allerersten Mal für das Opernfestival in Glyndebourne probte. Er grüßte die Musiker, griff zum Dirigentenstab, hob die Arme, um sie dann, ganz plötzlich, völlig überraschend wieder sinken zu lassen. Nun wandte er sich entrüstet zum Orchester und rief: "Schon jetzt. Zu laut". Verehrte Leserschaft, diese in ihrer Bedeutung vollkommen unwesentliche, jedoch sehr unterhaltende, wahre Begebenheit wäre ohne meine Aufzeichnungen verschütt' gegangen. Egal, werden einige sagen, viele andere aber hätten es bedauert. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe@kurier.at

Erstellt am 05.12.2011