Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Runderneuert

Karl Hohenlohe über den jodelnden Günther Platter.

Dies ist kein Aufruf zum Boykott des Tiroler Landeshauptmannes G. Platter, aber es empfiehlt sich, ihn nunmehr sehr vorsichtig zu begutachten. Ich muss ihn des Diebstahls bezichtigen. Der Tatort, ein wunderschönes Kloster, oberhalb von Lucca gelegen, wo Maestro Gustav Kuhn jungen Talenten musikalisch auf die Sprünge hilft und das Gelernte nun während eines Konzertes zu bestaunen war. Danach Pasta. Und wie man so gemütlich beisammensaß, erschien einer der Schüler, und suchte die anwesenden Prominenten für einen scherzhaften Jodelkurs zu gewinnen. Allen voran hatte er den Herrn Landeshauptmann im Visier. Was war das für ein Hallo bei den Nichtprominenten, die sich ja gemeinhin nichts mehr wünschen, als dass die Prominenten ein ganz klein wenig durch den Kakao gezogen werden. Umgehend machte sich eine erwartungsvolle Stimmung breit, Menschen, die einander noch nie zuvor gesehen hatten, lachten sich plötzlich diebisch zu, Erwachsene kicherten wie Kinder und Kinder wie Erwachsene, Dutzende Zeigefinger deuteten in jene Richtung, in der Günther Platter Platz genommen hatte, und das Kudern nahm kein Ende. Schon sah man den Herrn Landeshauptmann grauenhaft am " Dulliööh " scheitern - was waren wir glücklich. Dann geschah das Unfassbare: Günther Platter erhob sich, holte tief Luft und jodelte. Er jodelte nicht wie weiland Maria Hellwig, aber auch nicht wie der Hinterseer Hansi, er jodelte also sehr profund und machte sich somit eines scheußlichen Verbrechens schuldig. Günther Platter stahl uns die Schadenfreude, das werden wir ihm lange nicht vergessen.