Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Rollenspiele

Karl Lohenlohe über den Umgang mit berühmten Menschen.

Es ist ein großes Glück, berufsbedingt mit berühmten Menschen zu verkehren. Meist sind sie so, wie man es sich erwartet - despotisch, dumm, herzergreifend, einnehmend oder kühn. Insbesondere die Kaste der Schauspieler sind meist interessante Charaktere, man weiß ja nie genau, ob sie gerade sie selbst sind oder Hamlet, Django oder ein südamerikanischer Revolutionär. Mag. Wagner-Trenkwitz, gerade in Bad Ischl als "schöner Sigismund" engagiert, sagte diesbezüglich in eine "Seitenblicke"-Kamera: "Natürlich bin ich schön. Als Karlheinz Böhm Beethoven verkörperte, begann er auch schlecht zu hören." Wenn die Schauspieler mit ihrer Rolle verschmelzen, ist das Publikum entzückt, aber es gibt Schauspieler, die finden dann nicht mehr zurück. Sie nerven ihre Umgebung, verlieren Haus und Hof und ihre Ehefrauen. Man darf gespannt sein, ob und wie Mag. Wagner-Trenkwitz die Darstellung des "schönen Sigismund" verarbeitet, ob etwas Geckenhaftes bleibt und ob er den Opernball mit sächsischem Dialekt kommentiert. Ich kannte ja noch den sehr berühmten und umgänglichen Schauspieler Alfred Böhm, der es in puncto Popularität nahe an Peter Rapp brachte. Herr Böhm spielte oft den etwas schusseligen, liebenswerten Mann von nebenan, ein Monsieur Hulot österreichischer Prägung. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, aber in allen Rollen blieb Alfred Böhm Alfred Böhm. Einmal servierte er bei sich zu Hause in Wieselburg ein Huhn, es entglitt ihm, und anstatt es zu bergen, suchte er umgehend die nicht vorhandene Kamera. Nie zuvor habe ich die Verschmelzung von Film und Realität so intensiv erlebt. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at