Ges.m.b.H.: Ohrenzeuge

Karl Hohenlohe über den "Kaiser Franz Josef-Rettungs-Jubel-Marsch" von Johann Strauß.

Sonntagmittag sammelte man im neuen Burgsaal in Perchtoldsdorf für Bedürftige in Moldawien.
Um die Geldgeber zu animieren, spielten die "Philharmonia Schrammeln" u. a. Strauß, Wagner, Karas, Lanner und das gratis.
Man hörte Schrammel und es gab gleichnamiges Brot.
Die Veranstaltung - von Clemens Hellsberg, dem Vorstand der Wiener Philharmoniker moderiert - war ein großer Erfolg, insbesondere ging der "Kaiser Franz Josef-Rettungs-Jubel-Marsch" von Johann Strauß ins Gehör.
Dies vor allem deswegen, weil Herr Hellsberg auf Licht und Schatten dieser Komposition verwies.
Viele KURIER-Leserinnen und KURIER-Leser werden sich noch an die Uraufführung 1853 erinnern können, der zukünftige Gassenhauer, dem einige Takte der Kaiserhymne einverleibt waren, musste gleich fünf Mal wiederholt werden. Die Zuhörer waren außer Rand und Band.
Ursache für den "Kaiser Franz Joseph-Rettungs-Jubel-Marsch" war ein missglücktes Attentat auf den Monarchen.
Ein Schneider hatte sich mit dem Messer auf den Kaiser gestürzt, sein Adjutant und ein zufällig vorbeigehender Fleischer konnten das Schlimmste verhindern.
Der Attentäter wurde in Simmering gehenkt.
Einige Tage später erklang dann der Marsch das erste Mal und die begeisterten Wiener rasten vor Glück.
Alle Wiener?
Nein - bald schon sang man in den Gassen einen gleichnamigen Hauer, der dem Kaiser doch irgendwie zu denken hätte geben sollen: "Auf der Simmeringer Had' hat's an Schneider verwaht, es g'schiecht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht."

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karl.hohenlohe(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am
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