Meinung | Kolumnen | GesMBH
05.12.2011

Ges.m.b.H.: Nahaufnahme

Karl Hohenlohe über Maximilian Schell.

Meist ist er in Dunkel gehüllt, hat einen Schal um die Schultern gelegt und mit dem Bart erinnert er an einen dünnen Orson Welles. Man trifft Maximilian Schell bei den erstaunlichsten Veranstaltungen, in Hollywood, bei Barbara Karlich, beim Heurigen, im Fernsehen und jüngst bei der "Kaffee-Gala" im Rathaus, wo man gutes Geld für den Stephansdom sammelte. Bei Maximilian Schell hat man immer das Gefühl, er tut alles bedächtig, er geht bedächtig, redet bedächtig und wenn er sich einen Brotkrümel von den Lippen wischt, ist man an eine Zeitlupenaufnahme erinnert. Die Zeit, die Menschen, die Vorurteile, die Trends, nichts kann ihm etwas anhaben. Er stand schon mit Marlene Dietrich, Marlon Brando und Charles Laughton vor der Kamera und gewann einen Oscar gerade für jenen Film, der vielleicht nicht sein bester war. Im Wiener Rathaus wird er von den Medien bestürmt. "Maximilian!", rufen die jüngeren, "Herr Schell!", die älteren Fotografen, und dann blickt er in die Kamera und seine Fans denken sich, was haben diese Augen schon gesehen, was hat dieser Mann schon alles erlebt. Herr Schell ist eine seltene Mischung aus Mondänität und Bodenständigkeit, Himmel und Erde, mitunter frage ich mich, wie es dazu kam. Die Antwort ist einfach, nahezu banal. Ich kann mich noch gut an Mutter Schell, die eine ganze Dynastie gebar, erinnern. Sie trug ein Dirndl, war sehr freundlich und schien der Erde, dem Realen, sehr verbunden. Vater Schell, soll auf irgendeine Art entrückter gewesen sein. Vielleicht war es auch umgekehrt, aber es kommt ja auf das Ergebnis an und das war und ist bei den Schells ja sehr gelungen