Meinung | Kolumnen | GesMBH
09.01.2012

Ges.m.b.H: Mund-Art

Karl Hohenlohe über grenzüberschreitende Germanismen im TV.

The Voice of Germany" ist eine TV-Castingshow, die ohne Kretins in der Jury, ergo ohne Beleidigungen auskommt.

Dies wirkt schon deswegen erfrischend, weil kein Dieter Bohlen die Formulierung "Das passt wie die Faust aufs Auge" bei besonders gelungenen Auftritten regelmäßig missbraucht.

Bei "The Voice of Germany" sind die Kandidaten mindestens ebenso wichtig wie die hochkarätig besetzte Jury.

Seit Neuestem darf auch Frau Doris Golpashin im Backstagebereich wirken.

Frau Golpashin ist sehr schön anzuschauen, bisher vermutete ich immer, sie wäre Österreicherin, nach "The Voice of Germany" bin ich mir nicht mehr sicher.

Immer wieder bedient sich Frau Golpashin klassisch bundesdeutscher Idiome, das beginnt bei "Jungs" anstatt "Buben" oder "gucken" statt "schauen".

Heillos übertrieben strenge Kritiker werden das als Anbiederung an den bundesdeutschen Sprachraum anprangern, ich auch.

Diesbezüglich von einer Schubumkehr von Cordoba zu sprechen, erscheint ein wenig überzeichnet, muss aber erlaubt sein.

Möglicherweise glaubt die gebürtige Grieskirchenerin Golpashin, man versteht sie in Deutschland nicht, aber diese Sorge kann ich nicht teilen. Auch Herr Andy Borg wirkt, frei von jeglichen Germanismen, grenzüberschreitend und die Nachbarn können seinen Texten großteils folgen.

So möchte ich Frau Golpashin aufmunternd zurufen: Die Wahrheit ist den Deutschen zumutbar.

Vielleicht hat Frau Golpashin ja nur den Begriff "The Voice of Germany" zu ernst genommen und der Titel ist ihr Programm.

Einladungen, Beschwerden, Hinweise:karl.hohenlohe@kurier.at