Ges.m.b.H.: Makelmirakel

Karl Lohenlohe über immer wiederkehrende Fehler und völkerverbindende Ausdrücke.

Kürzlich sah man auf dem hervorragenden Sender TW1, der bald schon in ORF3 umbenannt wird, einen Mittagstisch. Rundherum hatten Brigitte Xander, Zubin Metha und der schon damals sehr beliebte Pianist Rudolf Buchbinder Platz genommen. Man sah gute 30 Jahre jünger aus, was möglicherweise an dem Datum der Aufzeichnung gelegen hat. Es ging, worum es bei einem ordentlichen Mittagstisch gehen muss: um das Essen.

Zubin Mehta referierte in tadellosem Deutsch mit österreichischem Einschlag über die Vorzüge der indischen Küche. Fallweise öffnete er eine kleine Dose und streute selbst gezogenen Chili über die Hauptspeise. Herr Mehta, der in Wien seine Ausbildung genoss, ehrte seine Wahlheimat mit einem der schönsten völkerverbindenden Ausdrücke, die ich jemals gehört habe. Er sagte weder "Paradeiser", noch "Tomate", sondern "Paradeisertomate" und wurde somit gleichermaßen in Österreich als auch in Deutschland verstanden.

Keiner war ihm gram.

Irgendwann kam Frau Xander auf die Schallplattenproduktion zu sprechen und ob man so lange zu Werke ging, bis selbst das letzte Fehlerlein ausgemerzt wäre. Nein, meinte Herr Mehta, man spiele ein Konzert und winzige Ausrutscher würden der Nachwelt erhalten bleiben. Da meldete sich Rudolf Buchbinder zu Wort, der während den Ausführungen Mehtas sinnierend in die Leere geblickt hatte.

Er schien den kleinen, für die Ewigkeit festgehaltenen, Fehlern äußerst positiv gegenüberzustehen und meinte leise lächelnd: "Das Faszinierende, auch wenn man die Platte immer wieder anhört, die Fehler kommen immer an der gleichen Stelle." Besser kann man es nicht sagen.

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karl.hohenlohe(at)kurier.at

(kurier) Erstellt am
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