Ges.m.b.H.: Lichtgestalten

Karl Lohenlohe über Festspielstar Ben Becker.

Nichts ist dem Festspielbesucher wertvoller als der Star. Der Star muss nicht nur auf der Bühne brillieren, er hat auch nach der Aufführung zu glänzen, womit wir bei Ben Becker wären. Herr Becker versorgt die Theaterkritiker gleichermaßen wie die Societyreporter mit Stoff. Ich schätze ihn aber auch deswegen, weil er als Letzter seines Standes die Tradition des Sonnenbrilletragens auch bei Dämmerung aufrechterhält. Früher trugen alle großen Stars Sonnenbrillen. Nicht nur bei Begräbnissen, auch bei Aufbahrungen, Hochzeiten, Niederkünften und beim Mitternachtsbuffet. Heute lassen sie sich alle in die Augen schauen, man sieht die Kontaktlinsen, den Lidstrich, die Pupille - igitt. Die jungen Stars wissen nicht mehr, wie man sich selbst mystifiziert, sie tragen keine Turbane mehr und Diademe, sie essen zu wenig und wenn einer " Darf ich? " sagt, schreiben sie bereitwillig Autogramme, anstatt " Hilfe! " zu rufen oder den Bittsteller medienwirksam zu ohrfeigen. Ben Becker ist der letzte Fels in der Brandung, bei der Premiere der Teufel, bei der Premierenfeier das Teufelchen. So lieben wir unsere Bühnengötter, weiche Schale, rauer Kern, die den dreistesten Gesellschaftsreportern Paroli bieten und die Buhlschaft umarmen. Den Olymp erklimmen sie dann, wenn sie sich mit Sonnenbrillen den Reporterfragen stellen und man nie weiß, ob sie stinksauer sind oder von Glück erfüllt. Im Falle Becker überlege ich mitunter, ob sich hinter dem dunklen Glas nicht vielleicht doch ein rotes Äuglein verbirgt, das der gute Wein gefärbt hat, verwerfe den Gedanken aber gleich, weil er jedweder Romantik entbehrt. Einladungen, Beschwerden, Hinweise: karl.hohenlohe(at)kurier.at

Erstellt am 05.12.2011