Meinung | Kolumnen | GesMBH
03.04.2012

Ges.m.b.H.: Lebenskünstler

Karl Hohenlohe über kulinarische Verlockungen während der Proben.

In "Seitenblicke" verriet Otto Schenk, der berühmte Sänger und ehemalige Staatsoperndirektor Eberhard Wächter hätte einmal eine Probe frühzeitig verlassen, weil es zu Hause Saure Nierndln gegeben hätte.

Herr Wächter war ja auch dem Pferdeleberkäse sehr zugetan, aber das ist eine andere Geschichte.

Heute proben die Stars bis zum Umfallen, egal ob zu Hause Kaiserschmarren, Spargelspitzen oder ein fru fru auf sie wartet.

Es stellt sich also unweigerlich die Frage, ob die Künstler damals schlechter waren oder das Essen besser.

Vielleicht waren die Kulturschaffenden auch weniger angepasst, lebten, wie sie es wollten, und nicht, wie das Publikum es von ihnen erwartete.

Herr Wächter beispielsweise wurde laut, wenn er laut wurde, lachte, wenn ihm danach zumute war und über Saure Nierndln ging überhaupt nichts. Diese Lebenseinstellung ist selten geworden.

Das vorletzte Mal, als ich ihn sah, fuhr ich mit ihm in einer Straßenbahn zu einer Pferdefleisch-Manufaktur, wo er eine Pferdeleberkäsesemmel erstand.

Das letzte Mal dann in privatem Umfeld, ich hatte mich gerade zum Mittagessen hingesetzt, als sich Herr Wächter näherte und anbot, mit ihm Platz zu tauschen.

Auf die Frage warum, meinte er, der Geruch seines Nachbarn an dem anderen Tisch wäre ihm nicht angenehm.

Um die Wahrheit zu sagen, meinte er "Der stinkt so" und als ich hinüberblickte, sah ich einen sehr berühmten Mann.

Ich glaube nicht, dass es immer ganz leicht mit Eberhard Wächter war, im Falle von Geruchsbelästigung und Sauren Nierndln konnte er sogar zur Bestie werden.

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